Wohnungssuche: Abzocke statt Mietvertrag

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Uns reicht es! Dieses Pendeln, das Führen von zwei Haushalten und die ständige Frage: „Fahren wir jetzt zu Dir oder zu mir?“ Nein, wir wollen endlich etwas Gemeinsames und beginnen die Wohnungssuche. Allerdings ist sie im Moment, gerade in attraktiven Städten wie in Berlin gar nicht so einfach. Offenbar auch eine Spielwiese für dubiose Zeitgenossen.

Dabei haben wir gar nicht einmal einen so großen Anspruch: Drei, vielleicht sogar vier Zimmer, eher weiter oben im Haus, Fahrstuhl, ruhige Lage und in einem Zustand, der es Nicht-Handwerkern ermöglicht, eine hübsche Bleibe herzurichten – und bitte auch nicht überteuert.

Die Suche nach der richtigen Wohnung kann durchaus zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen ausarten.
Die Suche nach der richtigen Wohnung kann durchaus zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen ausarten.

Wir fangen an, in den Zeitungen zu blättern, am Wochenende, wenn es die Beilagen mit den Immobilienanzeigen gibt. Aber immer mehr Angebote landen im Internet. Deshalb nutzen wir bei unsere Wohnungssuche auch die Apps von entsprechenden Portalen. Die Programme sind praktisch, weil man zum Beispiel nach Lage, Baujahr, Fläche, Zimmerzahl oder Mietpreis filtern, einen Merkzettel anlegen und auch direkt einen Ansprechpartner kontaktieren kann.

Ein fast schon unmoralisches Angebot

Das Angebot ist recht groß und schnell stoßen wir auf interessante Wohnungen. Eine davon fällt uns besonders auf.

Unglaubliches Angebot: Große Maisonette-Wohnung im Grunewald zum Preis einer Bleibe im Plattenbau (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)
Unglaubliches Angebot: Große Maisonette-Wohnung im Grunewald zum Preis einer Bleibe im Plattenbau (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)

Eigentlich denken wir bei der Wohnungssuche nicht gleich an den Berliner Grunewald. Aus Interesse haben wir trotzdem einen Filter angelegt. Und dann sehen wir diesen Eintrag: Wohnung über drei Ebenen verteilt, Keller, Erdgeschoss und erste Etage, dazu eine ruhige Lage, satte 123 Quadratmeter groß, Parkplatz direkt vor der Tür und das Ganze für 700 Euro kalt. Auch die Lage ist top: Eine sehr ruhige Straße mitten in Berlins grüner Lunge.

Eine offene Küche mit allen Dingen, die man braucht. Was will man mehr? (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)
Eine offene Küche mit allen Dingen, die man braucht. Was will man mehr? (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)

Wir schauen uns die Bilder an. Uns beeindruckt bereits das erste: Es zeigt die offene Küche mit modernsten Geräten und einen großen Tisch mit viel Platz für sechs Personen. Auf einem anderen Foto sehen wir die hübsche Treppe, die das Erdgeschoss mit der oberen Etage und mit dem Keller verbindet. Dann tauchen noch Bilder vom Schlaf- und vom Kinderzimmer auf, es gibt auch einen Einblick ins Badezimmer, das, genauso wie die Küchenzeile, geradezu perfekt ausgestattet ist: Ein riesiger Spiegel, Platz für die Waschmaschine, Badewanne und auch sonst eine zeitgemäße Ausstattung.

Es kommen Zweifel

„Unmöglich“, dachten wir, zweifelnd und fasziniert zugleich. Vielleicht stecken ja hinter dem Angebot Psychologie-Studenten, die mal testen wollen, wie Leute auf so etwas reagieren. Oder es ist möglicherweise ein Hauseigentümer, der das Geld eigentlich gar nicht braucht und nur vermeiden will, dass die Wohnung einfach leer steht.

Ein geradezu vorbildliches Badezimmer (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)
Ein geradezu vorbildliches Badezimmer (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)

Wir wollen es wissen: Unser Limit liegt bei 1.000 Euro monatlich. Wenn diese Wohnung 700 Euro kalt kostet, wie hoch ist dann Warmmiete? In der App suchen wir die Kontaktdaten, allerdings vergeblich. Dort, wo eigentlich Name, Adresse und Telefonnummer des Anbieters stehen sollte, ist nur „soe dor“ zu lesen. Wir stutzen wieder. Aber App gibt uns ja die Möglichkeit, direkt eine E-Mail an Anbieter zu senden. Wir schreiben ihn an, fragen nach der Gesamtmiete und auch nach einem Besichtigungstermin. Auf die Antwort müssen wir nicht lange warten. Schon am nächsten Tag erreicht uns folgende E-Mail.

Hallo,

Vielen Dank für Ihr Interesse. Mein Name ist Wayne Whitewood . Die Wohnung ist leer und warten auf Mieter. Die Wohnung ist schön, sauber , ruhig, alle Einrichtungen und die Versorgungsunternehmen ein Mann braucht , einschließlich Stromversorgungsunternehmen , Kabel-TV , Parkplatz zugewiesen , Wäsche in der Einheit , Klimaanlage, High Speed Internet, gut erzogene Katzen / Haustiere sind erlaubt. Die monatliche Miete von 700 EUR ist mit allen Nebenkosten ( Heizung, Strom , Wasser) enthalten.

Ich komme aus England, ich bin derzeit in London. Ich kaufte die Wohnung im Jahr 2010 für meine Familie ( Vater und Mutter ), aber jetzt sind sie nach Korsika (Frankreich) verschoben haben, denn das Wetter ist besser. Ich will nicht, um die Wohnung zu verkaufen , so dass ich beschloss, es langfristig zu vermieten haben.

Wie lange Sie die Wohnung mieten? Auch können Sie mir einige Informationen über Sie zu senden. Ich bin eine ehrliche Person und eine Person, die die Wohnung sauber zu halten mag, und ist in gutem Zustand suchen . Wenn Sie Englisch sprechen , wird es eine große Hilfe für mich , weil mein Deutsch ist nicht so gut und ich einen Übersetzungsprogramm ….

Also, wenn Sie interessiert sind , werde ich gerne eine künftige Zusammenarbeit zu haben.

Danke

Fassen wir zusammen: Ein angeblicher Brite, der behauptet, in London zu leben. Er hat eine Wohnung für seine Eltern gekauft. Die sind aber nach Korsika gezogen. Nun soll die leer stehende Wohnung für 700 Euro Gesamtmiete im Monat verschleudert werden. Unüblicher Weise inklusive Strom und Internet. Das im vornehmen Grunewald und in einer Stadt, wo bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird? Bei uns schrillen die Alarmglocken.

Eine fiese Falle

Statt zuzuschlagen, sind wir neugieren und bemühen das Internet, suchen den Namen „Wayne Whitewood“. Wir werden direkt fündig und stellen fest, dass eine dreiste Masche neue Opfer sucht. Denn jener “Engländer“ war schon in der Vergangenheit in Erscheinung getreten, mit ähnlich günstigen Angeboten, mit demselben Antworttext, nur in unterschiedlichen Städten – und offenbar zu bequem, um sich jedes Mal einen anderen Namen zuzulegen.

Und wenn man im Internet weitersucht, tauchen viele weitere Fälle auf, in denen immer gleich vorgegangen wird: Es gibt eine attraktive Wohnung in einer tollen Lage, aber zu einem günstigen Preis. Wenn man dann nachfragt, folgt die Antwort, dass die Vermietung wegen plötzlicher, überraschender Gründe erfolge. Man sei im Ausland zwar unabkömmlich, werde aber den Schlüssel für die Besichtigung gerne per Post schicken. Dafür müsse man nur als Sicherheit eine erste Miete plus Kaution überweisen und zwar – natürlich – auf ein ausländisches Konto. Was folgt, kann man sich denken: Geld ist weg, Schlüssel gibt es nicht.

Dieser so genannte „Vorkassebetrug“ scheint weit verbreitet zu sein, denn die Betreiber von Immobilienportalen warnen inzwischen vor dieser fiesen Masche.

Die Wohnungssuche geht weiter

Schnell wieder abgetaucht: Angebot ist nicht mehr verfügbar (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)
Schnell wieder abgetaucht: Angebot ist nicht mehr verfügbar (Foto: Screenshot ImmobilienScout24-App)

Wir machen rechtzeitig die Biege und reagieren erst gar nicht auf die Nachricht des angeblichen Vermieters. Die Sache war uns von Anfang an verdächtig und zu heikel. Bereits am Tag nach unserer Anfrage ist das Angebot auch längst wieder vom Portal verschwunden. Uns wundert das nicht. Wahrscheinlich sind wir auch nicht die Einzigen, die nachgefragt haben. Immerhin haben wir zu keiner Zeit geglaubt, ein seriöses Angebot entdeckt zu haben. Diese Erfahrung unterstreicht aber, dass es auch hier schwarze Schafe gibt und man vorsichtig sein muss.

Ach ja, wer uns bei der Wohnungssuche einen hilfreichen Tipp geben kann, wir würden uns darüber sehr freuen!

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