Begrenzte Haltbarkeit

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Wenn ausgediente Hi-Tech-Helfer zum Klima- und Umweltproblem werden

Die edle Hülle und die moderne Technik neuer Smartphones wecken Begehrlichkeiten auch bei den Leuten, die eigentlich gar kein neues Gerät brauchen.
Die edle Hülle und die moderne Technik neuer Smartphones wecken Begehrlichkeiten auch bei den Leuten, die eigentlich gar kein neues Gerät brauchen.

Schick, klein und leistungsfähig: Moderne Smartphones, Tablets und Computer liegen im Trend und sind Spiegelbild eines modernen Lebensstils geworden. So mancher Kunde steht sogar stundenlang die Beine in den Bauch, um als einer der Ersten das neueste Modell in die Hand zu bekommen. Nur noch 18 bis 24 Monate beträgt beispielsweise die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Mobiltelefons. Dann wird ein neues Gerät fällig. Das alte Modell landet in der Schublade oder irgendwann sogar auf dem Müll und wird spätestens dann zum Problem.

Kleine Geräte – große Probleme

Einer Schätzung des Umweltprogrammes UNEP zufolge kommen pro Jahr weltweit rund 40 Millionen Tonnen Elektroschrott zusammen. Und obwohl in den Geräten große Mengen wertvoller Rohstoffe schlummern, etwa Edelmetalle wie Gold, Silber und Kupfer, wird Recycling eher halbherzig betrieben. Bei professioneller Behandlung könnten nach Expertenmeinung bis zu 95 Prozent der Rohstoffe wiedergewonnen werden. In der Realität ist es aber nur ein geringer Teil. Der Rest landet auf Müllhalden, die dann Luft, Wasser und Boden verseuchen oder in Hinterhof-Recyclingbetrieben, wo Menschen, nicht selten Kinder, ohne geeignete Schutzausrüstung über offenem Feuer versuchen, die Edelmetalle herauszulösen. Dabei drohen auch hier Gefahren für Mensch und Umwelt durch Dämpfe und Chemikalien.

Hinzu kommt, dass Produktion, Nutzung und Recycling der Geräte einen hohen Energieeinsatz erfordern, der durch die immer kürzeren Produktzyklen der Hersteller weiter steigt.  Unter dem Strich entsteht eine Bilanz, die selbst durch eine mehrfach längere Nutzung nicht ausgeglichen werden kann.

Verkaufen scheint wichtiger als Nachhaltigkeit zu sein

Offenbar ist der Wille, jedes Jahr neue Geräte verkaufen zu wollen, größer als das Streben nach Nachhaltigkeit. Außerdem führt steigender Kostendruck oft zu menschen- und umweltunwürdigen Produktionsbedingungen. Auf das Thema angesprochen, reagieren die Firmen-Verantwortlichen häufig gereizt oder irritiert. André Lönne, Executive Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz beim taiwanesischen Hersteller HTC, war die Frage, wie sein Unternehmen zum Thema „Nachhaltigkeit“ stehe, sichtlich unangenehm.

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Die Geräte werden im Schnitt keine zwei Jahre mehr genutzt

Viel lieber will er mit seinem Unternehmen neue Geräte verkaufen. Jedes Jahr kommen gleich mehrere neue Modelle auf den Markt, kürzlich stellte Lönne in Berlin ein neues Spitzenmodell vor, das den nicht einmal zwölf Monate alten Vorgänger ersetzen soll. Natürlich ist die Neuerscheinung noch leistungsfähiger, noch schöner und noch smarter. Und gerade das löst bei Vielen einen „Will-haben-Reflex“ aus. In diversen Online-Foren hat jedenfalls so mancher User schon angekündigt, sein nicht veraltetes Smartphone nach nur wenigen Monaten wieder verkaufen zu wollen, um das neue Gerät anzuschaffen.

Das deckt sich auch mit den Angaben der Hersteller. Laut HTC-Manager Lönne beträgt die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Mobiltelefons heute nur noch 18 bis 24 Monate. Somit landen die Geräte schneller als früher bei einem Gebrauchtkäufer, in der Schublade oder gar auf dem Schrott.

Reparatur ist bei modernen Modellen kaum mehr möglich

Ausgediente Mobiltelefone landen immer häufiger auf dem Müll
Ausgediente Mobiltelefone landen immer häufiger auf dem Müll

Denn mit fest verbauten Akkus und so genannten „Unibody“-Gehäusen, die aufgrund der Verklebung kaum noch zu öffnen sind, sinkt die Halbwertszeit der Modelle. Denn sie lassen sich schlichtweg kaum noch reparieren. Und wenn dann das Gerät dann doch noch ohne bleibende Schäden geöffnet werden kann, dann lohnt sich die Überholung dann aus wirtschaftlichen Gründen oft nicht, abgesehen davon, dass der „wesentlich bessere“ Nachfolger dann doch interessanter ist.

Welchen Wohlstand eine Gesellschaft genießt, kann man oft am Inhalt einer Mülltonne ablesen – und immer öfter findet man darin auch Handys.

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