Komfortzone auf 3,5 Quadratmetern

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Kochen auf Sparflamme, nur alle paar Tage einmal duschen, lange Wege zur Toilette – Zelten ist nichts für Verwöhnte, die den Komfort eines Hotel erwarten. Wer aber den direkten Kontakt zur Außenwelt sucht, der wird sich in der Welt der Camper wohlfühlen. Nur dünner Stoff schützt ihn vor teils widrigen Verhältnissen, die außen herrschen.

Keine Suite, aber trotzdem ausreichend Platz - wenn man sich sich damit arrangiert.
Keine Suite, aber trotzdem ausreichend Platz – wenn man sich damit arrangiert

Allerdings kommt es darauf an, wo man sein mobiles Heim aufbaut. Denn Campingplatz ist nicht gleich Campingplatz. Auf Island haben wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Zwar klangen die Beschreibungen auf dem Papier grundsätzlich gut, aber in der Realität kommt es dann doch auf die Details an.

 

Reykjavik

Wer mitten in der Nacht am Flughafen Keflavik eintrifft, für den wird das 50 Kilometer entfernte Reykjavik die erste Station sein. Der Campingplatz der Hauptstadt befindet sich nicht weit vom Zentrum.

Die größte Stadt des Landes hat wohl auch den größten Campingplatz
Die größte Stadt des Landes hat wohl auch den größten Campingplatz

Zugegeben: Es soll nur eine kurze Zwischenstation für eine Nacht werden, dabei bleibt es auch. Denn für eine ruhige Zeit ist der Campingplatz zu groß und auch zu nah an der Atmosphäre einer Großstadt.

Immerhin ist die Einrichtung gut ausgestattet: Es gibt viele Duschen, deren Benutzung im Übernachtungspreis inbegriffen ist, eine rund um die Uhr geöffnete Rezeption und eine günstige Verkehrsanbindung.

Wer etwas übrig hat und es nicht mitschleppen möchte, verschenkt es einfach.
Wer etwas übrig hat und es nicht mitschleppen möchte, verschenkt es einfach.

Das passt zur Hauptstadt, aber wir suchten die Ruhe, daher reisen wir am nächsten Tag gleich wieder ab.

 

Mosfellsbær

Nicht weit von Reykjavik befindet sich ein Vorort mit einem kleinen Zeltplatz, direkt auf einem kleinen Hügel, dem höchsten Punkt des Ortes.

Klein, aber fein: Der Platz in Mosfellsbær
Klein, aber fein: Der Platz in Mosfellsbær

Im Gegensatz zum Campingplatz der Hauptstadt ist dieser recht spartanisch ausgestattet: Es gibt eine kleine Holzhütte mit je einer Toilette für Frauen und Männer und zwei Spülbecken. Duschen und Rezeption: Fehlanzeige. Einmal am Tag kommen die Betreiber zum Kassieren.

Wir dürfen mit unserer Campingcard unser Zelt aufschlagen, an einem sehr idyllischen Ort. Denn gleich daneben haben es sich Islandpferde gemütlich gemacht. Trotz der sparsamen Ausstattung fühlen wir uns sehr wohl in Mosfellsbær. Übernachten mitten in der ruhigen Natur – so haben wir es uns vorgestellt.

 

Geysir

Unsere nächste Etappe führt uns zu einem geothermalen Phänomen.

Wer zum Strokkur-Geysir will, muss am Campingplatz vorbei
Wer zum Strokkur-Geysir will, muss am Campingplatz vorbei

Der Ort Geysir ist weltberühmt: Alle paar Minuten spuckt der Boden heißes Wasser meterhoch in die Luft. Das Zischen und die „ohh!“, „ahh!“ und „yeah!“-Rufe der begeisterten Touristen sind bis ins Zelt zu hören.

Denn direkt neben dem Naturspektakel befindet sich der Campingplatz des Ortes. Er bietet viel Platz für Wohnwagen und -mobile sowie Zelte. Auch die Infrastruktur kann sich sehen lassen: Duschen und Waschmaschine können für umgerechnet ein paar Euro genutzt werden, das Laden von Telefonen, Kameraakkus, selbst Notebooks ist beim Platzwart kostenlos. Trotz der Nähe zum Touristenstrom sind wir zufrieden, zumal auch diese Übernachtung von unserer Campingcard abgedeckt ist.

 

Skógar

Auch der Eyjafjallajökull hat inzwischen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Schließlich legte der Vulkan bei seinem Ausbruch 2010 den Flugverkehr in ganz Europa lahm.

In Skogar wird man stets von Wasserrauschen begleitet
In Skogar wird man stets von Wasserrauschen begleitet

Direkt am Fuße des Gletscherberges, in einem Dorf mit gerade einmal zwei Dutzend Einwohnern, befindet sich der wunderschöne Wasserfall Skógarfoss mit angeschlossenem Campingplatz.

Doch im Gegensatz zur Aussicht ist der Komfort eher enttäuschend. Die sanitären Einrichtungen sind dürftig und wer nach 20 Uhr kommt, darf nicht erwarten, dass er in der Gaststätte am Ort noch etwas zu essen bekommt. Trotz des angenehmen Rauschens des Wasserfalls sind wir nach einer Nacht weg. Zum Glück: Wie sich später herausstellte, wird der Campingplatz bei stärkerem Regenfall zum See.

 

Vík í Mýrdal

Nicht weit von Skogar schlugen wir wieder unser Zelt auf: In Vík í Mýrdal, einem idyllischen Dorf mit einer wunderschönen Kirche, direkt am Meer und einem Felsen mit Steilküste. An einer Felswand befindet sich auch der Campingplatz des Ortes.

Ein ruhiger Fleck Erde: Vík í Mýrdal
Ein ruhiger Fleck Erde: Vík í Mýrdal

Nicht zu überlaufen, groß genug für alle Camper und genügend Ecken, an denen man sein Zelt verstecken kann.

Am Rand das Gebäude mit allen Dingen, die man braucht: Waschmaschine, Gemeinschaftszimmer mit Kühlschrank, Steckdosen und Waschecke und natürlich die sanitären Einrichtungen. Letztere sind ein wenig in die Jahre gekommen und teils notdürftig in Gang gesetzt. Aber wer mit dem Zelt herumreist, sollte ohnehin nicht zu anspruchsvoll sein.

 

Naturpark Skaftafell

Dass der Süden Islands wettertechnisch recht launisch ist, kann man erwarten. Denn der Naturpark Skaftafell befindet sich direkt am größten Gletscher des Landes. Dessen Dimensionen übertreffen die Fläche der Niederlande. Somit ist klar, dass das Auswirkungen hat.

Größer als die Niederlande: Der Gletscher des Vatnajökull bei Skaftafell
Größer als die Niederlande: Der Gletscher des Vatnajökull bei Skaftafell

Uns gefällt der Gedanke, inmitten eines Naturparks zu übernachten, zumal dafür ein eigener Campingplatz geschaffen wurde. Allerdings stellen wir fest, dass dieser eines Naturgedankens unwürdig ist. Vielmehr handelt es sich um eine Übernachtungs- und Tourismusmaschinerie.

Direkt am Service-Center buhlen zahlreiche Anbieter von Gletschertouren um die Kunden. Auf einem riesigen Parkplatz treffen Reisebusse und Autos im Minutentakt ein. Zelte, Wohnwagen und -mobile sind auf eine Fläche von mehreren Fußballfeldern verteilt, die Infrastruktur ist hingegen auf ein Minimum begrenzt.

Von zwei Duschen ist eine kaputt – und vor der einzigen Waschmaschine bildet sich eine lange Schlange. Zudem ist dieser Campingplatz während unserer Reise der teuerste: 35 Euro für zwei Nächte. Darüber hinaus müssten wir für Duschen und Waschmaschine extra zahlen. Abgerundet wird das Ganze durch zahlreiche Verbotsschilder: So ist das Trocknen von Klamotten im Händetrockner verboten, das Laden von Geräten an den Steckdosen in den Toilettenräumen wird mit der kostenpflichtigen Entfernung bestraft. Strom für Handys und Co. gibt es an der Rezeption übrigens für drei Euro pro Stück.

 

Heimaey/Vestmannaeyjar

Zelten im Vulkankegel
Zelten im Vulkankegel

Dagegen ist der Campingplatz in Heimaey auf der Insel Vestmannaeyjar ein Paradies. Nicht nur, dass wir freundlich empfangen werden, sondern die Ausstattung ist geradezu perfekt: Günstiger als Skaftafell, aber Dusche, Küche, Steckdosen, Waschmaschine und Trockner inklusive.

Beim Campen immer knapp: Elektrizität
Beim Campen immer knapp: Elektrizität

Und dazu die herrliche Landschaft mit dem schönen Ort und der wundervollen Natur. Der Platz selbst befindet sich in einem alten Vulkankegel und ist ein Vogelparadies. Unzählige Papageientaucher, Möwen und Tauben kreisen ständig in der Luft. Hier bekommen wir das, was wir wollen: Urlaub, mitten in und mit der Natur. Trotz der 3,5 Quadratmeter Wohnraum: Hier fühlen wir uns wohl.

Gemeinschaftszimmer auf dem Campingplatz in Heimaey
Gemeinschaftszimmer auf dem Campingplatz in Heimaey

Somit bauen wir mit Wehmut unser Zelt zum Ende unserer Island-Reise wieder ab, mit dem Gedanken, in Heimaney den besten und schönsten Campingplatz entdeckt zu haben und der festen Überzeugung, irgendwann hierher zurückzukehren.

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