Zurück zur Natur – mit Ruhe

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Dass sich der homo sapiens naturverbunden fühlt und gleich in Scharen über Flora und Fauna herfällt, darüber haben wir bereits geschrieben. Dass es aber auch anders geht, das erleben wir im Süden Islands. Zwar ist auch Vík í Mýrdal touristisch erschlossen. Doch die meisten Reisebusse halten, spucken die Insassen aus, damit sie ihre Bilder machen oder etwas essen können, bevor sie weiterfahren.

Diejenigen, die hier bleiben, das sind deutlich weniger, nutzen die Zeit, um den 300-Seelen-Ort zu erkunden. Denn der schwarze Strand und der Vogelfelsen gehören zu den Highlights, vor allem letztgenannter bietet die Heimstätte der berühmten Papageientaucher, die gerade in der Abenddämmerung bei der Futtersuche in der Luft ihre Runden drehen.

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Oben auf dem Reynisfjall ist der Massentourismus meilenweit entfernt

Um die possierlichen Tierchen ganz nah zu sehen, muss man sich schon den nicht gerade leichten Aufstieg auf den Felsen hingeben. Rund anderthalb Stunden ist man schon unterwegs, um vom Niveau des Meeresspiegels auf knapp 200 Meter zu kommen. Allzu viele muten sich das nicht zu. Die, die es jedoch wagen, werden nicht nur mit einem grandiosen Panorama, sondern auch mit einer herrlichen Einsamkeit belohnt.

Das i-Tüpfelchen sind aber die besagten Papageientaucher. Um sie zu finden, ist schon etwas Mut erforderlich, denn sie haben ihre Nester in der senkrechten Felswand. Das heißt, dass man knapp 200 Meter über dem Meer sich an den Rand des Felsens heranwagen muss, um den Kopf nach ihnen zu strecken. Der Gedanke, ein Windstoß oder eine Unachtsamkeit könnte den freien Fall auslösen, sorgt schon für weiche Knie. Daher beschlossen wir, uns an die Sache heran zu robben.

Für diese Schafe ist Höhenangst ein Fremdwort
Für diese Schafe ist Höhenangst ein Fremdwort

 

Ein kurzer spitzer Schrei von Claudia zerriss dann die Ruhe. Sie hatte einen Papageientaucher mit drei Fischen im Schnabel ausfindig gemacht. Von nun an sahen wir sie in Massen. Immer wieder flogen sie zum Meer hinaus und wieder zurück zur Felswand. Auch zahlreiche Möwen folgten dem Rhythmus und flogen hinaus und wieder zum Felsen zurück. Ein paar hundert Meter weiter konnten wir auch sehen, wohin genau: An einem Punkt konnten wir schräg zur Felswand schauen und entdeckten dort die Nester mit zahlreichen Jungtieren, die auf Futter warteten. Allerdings blieben wir nicht allzu lange, um sie nicht zu stören.

Die junge Möwe wartet auf Futter
Die junge Möwe wartet auf Futter

Eine herrliche Ruhe fanden wir auch bei einer Wanderung vor den Toren von Vík í Mýrdal vor. Wir verließen den Ort auf einem breiten Schotterweg und fanden uns schließlich auf einem schmalen Pfad am Rande eines tiefen Grabens wieder. Nur mit Mühe gelang es uns, voranzukommen. Zugegebenermaßen spielte auch die Furcht eine Rolle. Dafür wurden wir mit einer absolut menschenleeren Landschaft belohnt. In all den Stunden trafen wir keinen einzigen anderen Wanderer, wir hatten das Gebiet praktisch allein für uns. Naja, von ein paar Schafen und unzähligen Fliegen sowie von Vögeln, die uns zeitweise begleiteten, einmal abgesehen.

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