Nicht gewonnen, nur zerronnen

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Ich gebe zu: Geliebäugelt habe ich schon, mit dem Kauf von Bitcoins, insbesondere im November vergangenen Jahres, als der Kurs nur in eine Richtung zeigte, nach oben. Der Kurs stand an einem Tage bei 625 Euro pro Bitcoin. Wochen zuvor waren es noch 120 Euro. Allein in dieser Zeitspanne hätte ich mir das Fünffache als Gewinn holen können. Und das sollte den Prognose zufolge so weiter gehen. Deshalb hätte ich auf den Zug aufspringen können, hätte.

Aber ich war nicht privat vor Ort, sondern für eine Hörfunkreportage. Somit beschränkte ich mich auf die Beobachterrolle in dieser bizarren Welt: Ein Café mitten in Berlin, umfunktioniert zu einem Börsenparkett für Geld, das nur virtuell existiert, auf irgendwelchen Rechnern über die ganze Welt verstreut und auch nur online ausgetauscht wird – von der Tatsache einmal abgesehen, dass man erst einmal echtes Geld einsetzen muss, um Bitcoins überhaupt zu bekommen.

Mit Bitcoins höhere Ziele erreichen

Erlebte der Bitcoin vor Monaten noch seinen Höhepunkt, ist der Hype längst schon wieder abgeebbt. - Foto: Screenshot bitcoin.de
Erlebte der Bitcoin vor Monaten noch seinen Höhepunkt, ist der Hype längst schon wieder abgeebbt. – Foto: Screenshot bitcoin.de

Eines lerne ich schnell: Händler tragen Melone auf dem Kopf und halten das Smartphone in der Hand. Die potenziellen Käufer, sind die, die ebenfalls das Telefon in der Hand halten, aber keine Melone auf dem Kopf tragen. Und beide Seiten eint ein Ziel: Mit möglichst wenig Einsatz viel erreichen.

Dabei ist es nicht nur das Finanzielle, sondern es geht, zumindest nach eigenen Angaben, um ein höheres Ziel, das es mit Hilfe von Bitcoins zu erreichen gilt. Ein Weg weg von staatlicher und institutioneller Kontrolle hin zu mehr Macht für die Nutzer. Davon ist Aaron Koenig, der Organisator der Bitcoin-Börse überzeugt.

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Wer der genannte Satoshi Nakamoto eigentlich ist, weiß so recht niemand. Kürzlich glaubte das US-Magazin „Newsweek“, in einem kalifornischen Rentner den mysteriösen Erfinder der Internetwährung gefunden zu haben. Allerdings wehrte sich der 64-jährige ehemalige Ingenieur gegen die angebliche „Enttarnung“. Über seinen Anwalt ließ er ausrichten: „Er ist arbeitslos und hat weder zuvor von Bitcoins gehört, noch einen Internetanschluss“. Dieser ist aber erforderlich, um überhaupt mit dem Cyber-Geld handeln zu können.

Der Glanz der Bitcoins verfliegt

Geprägte Bitcoin-Münzen, deren Wert aber nur virtuell existiert - Foto: ulifunke.com / bitcoin.de
Geprägte Bitcoin-Münzen, deren Wert aber nur virtuell existiert – Fotos aller Münzen dieser Seite: ulifunke.com / bitcoin.de

Aber nicht nur diese „Entdeckung“ sorgt in jüngster Zeit für Negativ-Schlagzeilen. Mit „Mt. Gox“ ging Ende Februar dieses Jahres einer der größten Handelsplätze pleite. Damit waren zum damaligen Kurs rund 473 Millionen US-Dollar verloren.

In den folgenden Wochen folgten weitere schlechte Nachrichten für die Bitcoin-Fans: So wurden mehrere Hackerangriffe auf Server gemeldet, bei denen auch viele virtuelle Münzen erbeutet wurden.

Ich besuche Raúl Rojas, er ist Professor für Informatik an der Freien Universität Berlin und Bitcoin-Skeptiker.

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Immerhin hält der Professor das virtuelle Geld für durchaus zukunftsfähig, wenn auch nicht die Bitcoins selbst.

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„Beim Internet war man anfangs auch skeptisch“

Aaron Koenig ist anderer Meinung. Der Organisator der Berliner Börse glaubt an den Bitcoin und sieht in den geschilderten Fällen nur Anlaufschwierigkeiten. Er versucht mir das mit einem Vergleich zum Internet zu erklären.

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Riesen-Pleite mit virtuellem Geld. Bei einer der größten Bitcoin-Börsen gingen rund 473 echte Millionen US-Dollar verloren

Ein wenig Optimismus ist zumindest für die Psyche hilfreich. Denn nicht nur die zahlungsunfähigen Bitcoin-Börsen und die Nachrichten über gehackte Server können mächtig an den Nerven rütteln, sondern auch die Tatsache, dass die einst so teuer gehandelten virtuellen Münzen zum heutigen Tag nur noch einen Wert von knapp 330 Euro haben.

Wäre ich damals der Versuchung erlegen, hätte ich nun mit einem Verlust von rund 300 Euro pro Bitcoin nur noch die Hälfte in der Tasche. Natürlich kann sich das auch irgendwann wieder ändern. Aber darauf zu spekulieren, wäre mir dann doch zu riskant.

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