Über die Freundschaft

Schreiben Sie einen Kommentar

Was heißt es befreundet zu sein? Zu lachen, Spaß miteinander zu haben, nur Gutes zu erleben, auch miteinander zu weinen, Konflikte auszutragen oder nach Konflikten die Freundschaft zu beenden? „Ein Freund ist jemand, der Dich mag, obwohl er Dich kennt. Ein Freund ist jemand, der die Melodie in Deinem Herzen kennt und Dich daran erinnern kann, wenn Du sie selber vergessen hast.“ Schöne Worte, gehört bei Eckhart von Hirschhausen.

 

Ist es ok, unterschiedlicher Meinung zu sein oder müssen Freunde immer die gleiche Meinung teilen? Ist ein Freund nur loyal, wenn er Deine Meinung für richtig hält? Für mich heißt Freundschaft miteinander zu wachsen, durch dick und dünn zu gehen. Einander zu stützen, auch wenn es schwierig ist. Vergangenes und familiäre Prägungen machen uns zu dem, der wir sind. Ein Freund macht uns solche Muster bewusst. Dafür bin ich dankbar. Verständnis und Mitgefühl helfen zu heilen und Neues entstehen zu lassen.

Freunde auf Zeit

Im Kindergarten kommt es vor, dass Freundschaften nur einen Tag halten. Der neu gewonnene Freund hat gerade das Spielzeug, was der andere auch haben möchte. Im Erwachsenenalter ist das manchmal auch nicht anders. Es gibt Freunde, die begleiten Dich ein Stück auf Deinem Weg, weil Du mit ihnen gerade was lernen kannst, aber dann endet der Weg abrupt. Ich finde solche Erlebnisse traurig und enttäuschend, zum Leben gehören sie wohl dazu. Eine Stimme meldet sich dann immer in mir und sagt, das kann noch nicht alles gewesen sein. Ist es möglich sich auf einer anderen Ebene neu zu begegnen. Ich denke schon. Dazu gehört allerdings Offenheit. Offenheit für die eigenen Schwächen und für die Schwächen des anderen. Veränderung erzwingen zu wollen, bringt niemanden weiter. Das ist mir klar. Loslassen, sich selbst und den Anderen seinem Los zu überlassen, die Zeit arbeiten zu lassen, das ist der einzige Weg. Konflikte haben etwas Heilsames, weil sie Klarheit in das Bestehende bringen. Auf diese Weise kann sich das Bestehende ändern.

Widersprüche erlauben

Es gibt halt auch einfach Freunde, die Dich für einen Moment brauchen und an einem gewissen Punkt nichts mehr mit Dir anfangen können. Das ist ok, das sind befreiende Erkenntnisse. Weh tut es trotzdem. Wer wird schon gerne ausgenutzt? Veränderung ist möglich durch neue Erkenntnisse. Das spendet Trost und lässt Mut schöpfen. Freundschaft heißt für mich ebenfalls dem Anderen für sein So-Sein Raum zu geben, ihn nicht in Schubladen zu stecken, sondern ihn da raus zu holen. Ihm die Möglichkeit zu geben, anders zu sein, sich zu entwickeln, Widersprüche zuzulassen. Nie hat ein Tier mit einem größeren inneren Widerspruch auf der Erde gelebt, als der Mensch.

Horizont erweitern

Ist ein Freund nur jemand, der den eigenen Horizont teilt oder ist es nicht gerade ein Freund, wenn er den eigenen Horizont nicht teilt, sondern erweitert? Es ist ein großes Geschenk, wenn ein Mensch in das Leben eines Anderen tritt, der anders ist, der den eingeschränkten Horizont erweitert, mit neuen, bereichernden Ansichten. Das ist meine Sicht, weil mich der Horizont des Anderen wachsen lässt. Kritik anzunehmen, wenn sie mich wachsen lässt, finde ich sinnvoll. Kritik anzunehmen, die destruktiv ist, halte ich für zerstörend und negativ. Mensch zu sein und mich in meinem Menschsein zu entwickeln, das macht für mich das Leben aus. Heute himmelhochjauzend, morgen zu Tode betrübt. Heute sind wir beste Freunde, morgen hat eine einzige Meinungsverschiedenheit unsere Freundschaft zerstört. Ist das dann Freundschaft?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Rechenaufgabe als Ziffer ein, um Ihre Mitteilung absenden zu können * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.