Vier Jahreszeiten – an einem Tag

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Wenn man als Camper mit dem Zelt unterwegs ist, sollte man kein Weichei sein, schließlich will man der Natur ganz nah sein. Dafür muss man sich mit ihr arrangieren und sie so akzeptieren, wie sie ist. Genau das haben wir uns auch für die Reise vorgenommen und nehmen in Kauf, dass Island ein besonders harter Brocken ist. Wenn man mit seiner rauen und schroffen Art klar kommt, dann wird man belohnt, mit einer wundervollen, außergewöhnlichen und vielfältigen Landschaft.

Herzlich aber rau: Das ist das typische Island-Wetter
Herzlich aber rau: Das ist das typische Island-Wetter

Allerdings stellten wir fest, dass es oft leichter gesagt als getan ist. Das isländische Sprichwort: „Wenn das Wetter schlecht ist, dann warte einfach fünf Minuten“ kann durchaus auch bedeuten: „Wenn die Sonne scheint, dann kann es in fünf Minuten auch schon anders aussehen“. Und in der Tat kann das Wetter so launenhaft wie der deutsche Bahnverkehr sein: Wenn alles gut geht, ist es perfekt, aber wehe, es steckt der Wurm drin.

Als wir vor ein paar Tagen Vík í Mýrdal verließen, herrschte eine regelrechte Sommerattacke: Die Sonne schien bei um die 15 Grad – für isländische Verhältnisse ist das eine Hitze. Dann stiegen wir in den Bus und kamen einige Stunden später westlich in Skafafell an, am Fuße des größten Gletschers des Landes, dem Vatnajökull. Damit man in etwa eine Vorstellung hat: Er nimmt eine größere Fläche ein als die Niederlande.

Einen wirklich wolkenlosen Himmel gibt es auf Island äußerst selten
Einen wirklich wolkenlosen Himmel gibt es auf Island äußerst selten

Auf dem Weg von unserem Zelt zum Gletscher herrschten frühlingshafte Verhältnisse: Hinter den Wolken schaute hin und wieder die Sonne heraus und es blieb trocken – bis wir die meterhohe Eiswand erreichten. Dann schlug der Herbst zu: Der Wind blies uns um die Ohren, plötzlich fing es an zu regnen. Kein leichtes Nieseln etwa, sondern ein echter Schauer, sodass wir, trotz (eigentlich) regenfester Kleidung, zu unserem Zelt flüchteten und dort blieben.

Die Nacht blieb jedoch kurz, denn schon um halb sieben klingelte unser Wecker: Denn wir wollten eine Tagestour zum Jokulsárlón machen, einem riesigen Gletschersee, über den schon so manches Mal James Bond flüchten musste. Eine immerwährende Winterlandschaft mit herrlichem Blick auf bizarre Schnee- und Eisskulpturen, die auf dem Wasser gleiten. Zumindest sah es so im Reiseführer aus.

Der Gletscher, so groß wie die Niederlande, sorgt für eine sehr kühle Witterung
Der Gletscher, so groß wie die Niederlande, sorgt für eine sehr kühle Witterung

In der Realität war die Gegend bei unserer Ankunft in einer riesigen Wolke verschwunden, sodass wir schon nach fünf Minuten in das viel zu kleine Café verschwanden. Allerdings kamen dummerweise nicht nur wir, sondern ganze Reisegruppen auf diese Idee. Schon bald gab es deshalb chaotische Zustände. Die Menschen drängten sich vor dem einzigen Heizkörper des Raumes, das Personal kam mit dem Ausschenken gar nicht hinterher, eine spanische Touristin riss einen unserer gerade frisch gefüllten Kakaobecher um und ruinierte damit um ein Haar eines unserer Fotoobjektive. Übrigens: Die Señora kam nicht auf die Idee, uns einen neuen Kakao zu holen oder sich zumindest zu entschuldigen.

Für uns war die Tour gelaufen und wir wollten nur noch weg. Mit dem nächsten Bus fuhren wir zum Campingplatz zurück, wo uns wieder der Frühling erwartete. Wir beschlossen, noch eine Wanderung zum Berg zu machen, um die Landschaft zu genießen.

Zum richtigen Zeitraum am richtigen Ort, erlebt man mitten im Hochsommer den Frühling.
Zum richtigen Zeitraum am richtigen Ort, erlebt man mitten im Hochsommer den Frühling.

Doch am nächsten Morgen hatte uns das frühlingshafte Wetter schon wieder eingeholt: Als wir in den Bus stiegen, um zur Kraterlandschaft Lakagígar zu fahren, fing es an zu regnen und es sollte den Tag über nicht mehr aufhören. Als wir am Umsteigepunkt dann auch noch erfuhren, dass die Wetterbedingungen an unserem ursprünglichen Zielpunkt sehr schlecht waren, entschlossen wir, im geschützten Bus zu bleiben und die ganztägige Tour ins Hochland nach Landmannalaugar zu unternehmen.

Frühling, Sommer, Herbst, Winter – die vier Jahreszeiten. Hier auf Island sind sie nicht auf die zwölf Monate verteilt, sondern können sich in 24 Stunden abspielen.

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