Zurück zur Natur – in Scharen

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Nachhaltiges Reisen liegt im Trend. Gerade Naturphänomene faszinieren Touristen. Etwa der Gullfoss-Wasserfall hier auf Island.

Touris wagen sich an das tosende Wassergefälle
Touris wagen sich an das tosende Wassergefälle

Eigentlich sei es ja ein doppelter Wasserfall, erklärt eine Tafel entlang des Weges. Die meisten hier aber interessiert das offenbar nicht. Viel Zeit haben sie ohnehin nicht, der Bus fährt gleich wieder. Sie wollen gucken und dabei möglichst nah dran sein. Und mittendrin im Wahnsinn: wir.

Teils mit Stöckelschuhen und Sandalen wird der rudimentär gangbare Weg zum Gullfoss beschritten, die Digi-Knipse im Anschlag: Mutti vor dem Wasserfall, Mutti neben dem Wasserfall. Das war es. Mutti hinter oder unter dem Wasserfall geht nicht, auch wenn es sich sicher so mancher wünschen würde…

Zurück zur Natur - am besten auf Rädern
Zurück zur Natur – am besten auf Rädern

Stets dabei: Die Tüte mit den Souvenirs. Die gibt es oben im „Service-Center“, einem Massenabfertigungsbetrieb, der offenbar genauso viele Busladungen Touristen bewältigen kann wie der Gullfoss Wasser hinabstürzen lässt. Basecaps, T-Shirts, Stofftiere, Schlüsselanhänger, Postkarten, Strickpullover, Island-Schlüpfer und so weiter. Dazu Kaffee, Kuchen, belegte Brote und Suppe bis zum Abwinken, auch „refill“ genannt, sorgen dafür, dass der auto- und busreisende Tourist sich wohl fühlt – und die Kassen klingeln. Denn was die Natur an Wunder vollbringt, soll schließlich mit barer Münze honoriert werden.

Und nach dem Besichtigungsspektakel und dem Rundum-sorglos-Paket des „Service-Centers“ geht es wieder von dannen – natürlich per Bus oder Auto, um kurze Zeit später wieder im warmen und trockenen Hotelzimmer zu sitzen.

Wir haben freilich eine längere Zeit gebraucht, um wieder zurückzukehren, zu unserem Zelt. Denn wir sind die knapp 14 Kilometer zurückgelaufen, weil wir weder Stöckelschuhe noch Sandalen eingepackt haben, sondern Wanderschuhe.

Am Ende bleibt ein wenig Zweifel in der Luft: Einerseits wollen wir die Natur in ihrer Schönheit bewahren, andererseits auch Anteil an ihr haben, sie bestaunen und bewundern. Letztendlich ist es wohl wie in der Medizin: „Die Dosis macht das Gift“.

Kommentar 1

  1. TarjAmused 18. August 2013

    Ein echter Pooky, dieser Beitrag!

    Wunderbar plastisch hast du überwältigende Bilder in meinem Kopf herauf beschworen. Aber statt des erwarteten atemberaubenden Naturschauspiels klemmt in meinen Synpsen nun leider ein überfülltes Gruppenbild voll von diesen Muttis, Vattis, Lüttis oder Fiffis, die man sich in seinem Leben schon hinter den Wasserfall gewünscht hat (wahlweise auch über die Klippe, in den Treibsand, auf den Grill, unter die Räder, ins Bärengehege …). Danke für dieses Sahnehäubchen auf meinem Sonntagskaffee, aber jetzt lege ich lieber schnell den Kopf zur Seite und hoffe, dass alles wieder rausfällt, wenn ich nur lange genug oben drauf klopfe.

    Und ich glaube, du möchtest demnächst unbedingt mit zu David Guetta!

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